Abstammungsuntersuchung

Die Frage nach einer Abstammungsuntersuchung wird heute immer häufiger gestellt. Dabei geht es um die Klärung von Unterhaltsansprüchen, Ausräumung von Zweifeln, Erbschaftsfragen, Ausschluss von Verwechslungen, Klärung von Verwandtschaftsverhältnissen usw. Zur Klärung dieser Fragen können Sie ein aussagekräftiges Abstammungsgutachten auf der Basis von DNA-Analysen in Auftrag geben.

Im Gegensatz zu früher - die Untersuchungen waren sehr teuer und konnten erst ab einem bestimmten Alter des Kindes durchgeführt werden - sind die Kosten für eine Vaterschafts- bzw. Abstammungsuntersuchung heute wesentlich geringer, die Untersuchung ist zu jedem beliebigen Zeitpunkt durchführbar, die Probenentnahme hat sich vereinfacht und die Aussagesicherheit konnte deutlich verbessert werden. Diese Vorteile werden erreicht durch Anwendung moderner DNA-Techniken.

Unser Institut ist für die forensische Genetik (Abstammungsuntersuchungen) akkreditiert, arbeitet selbstverständlich GenDG-konform (siehe auch Richtlinien der Gendiagnostik-Kommission (GEKO) vom 01.07.2011 und 17.07.2012) und führt regelmäßig interne und externe Qualitätskontrollen durch.

Sollten Sie Interesse an einem Abstammungsgutachten haben bzw. im Vorfeld noch Fragen zum Ablauf / zur Durchführung haben, so können Sie sich vertraulich an Prof. Dr. med. Rieß (07071-29-76458) oder PD Dr. med. Bauer (07071-29-72288) wenden.

Im Folgenden wollen wir Ihnen einen kleinen Überblick über die Grundlagen einer DNA-Vaterschafts- bzw. Abstammungsuntersuchung geben.

Genetische Grundlagen

Die DNA (engl. Desoxyribo Nucleotide Acid) ist als elementarer genetischer Baustein in allen Zellen enthalten. Als Träger der Erbinformation bestimmt sie die Merkmale eines jeden Menschen und macht ihn zu einem unverwechselbaren Individuum. Die genaue Abfolge der DNA-Bausteine (DNA-Sequenz) ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Bei der Abstammungsuntersuchung werden ganz bestimmte DNA-Abschnitte untersucht, die eine sehr hohe Variabilität aufweisen und sich daher bei nicht-verwandten Personen zumeist unterscheiden. Diese variablen DNA-Abschnitte werden als STRs (short tandem repeats) bezeichnet. Die STRs bestehen aus sich wiederholenden kurzen Sequenzmotiven, wobei sie sich hinsichtlich der Anzahl der Wiederholungen des Sequenzmotivs stark unterscheiden. In diesen Abschnitten sind keine Informationen für Erbmerkmale (Gene) enthalten. D. h. eine Aussage über Erbkrankheiten oder andere Erkrankungen ist bei der Vaterschafts-/Abstammungsuntersuchung nicht möglich. Der Schutz der Persönlichkeit bleibt damit gewahrt. Die gesamte Erbinformation- einschließlich der STRs- liegt in jeder unserer Körperzellen in einer doppelten Ausführung vor. Eine Ausführung (STR-Allel) stammt vom Vater und die andere von der Mutter. Bei der Abstammungs-Diagnostik wird die Länge verschiedener STRs von möglichem Vater, Mutter und Kind verglichen. Ein Kind zeigt immer ein STR-Allel vom Vater und eines von der Mutter. Hat in einem Testsystem der mutmaßliche Vater kein STR-Allel mit dem Kind gemeinsam, so kann dies als Hinweis auf einen Vaterschaftsausschlus gewertet werden (Hyperlink: Beispiel). Kann ein Ausschluss für mindestens drei STRs bestätigt werden, so ist die Vaterschaft praktisch ausgeschlossen. Kann ein Mann in allen getesteten Systemen als Vater nicht ausgeschlossen werden, d.h. das Kind weist in allen Testsystemen ein gleiches Allel wie der in Frage kommende Vater auf, so wird aus der Häufigkeit der zwischen Vater und Kind übereinstimmenden Merkmale durch statistische Berechnungen die Wahrscheinlichkeit ermittelt, dass er der Vater des Kindes ist. Bei der Feststellung einer Vaterschaft handelt es sich daher immer um eine Wahrscheinlichkeitsaussage. Diese Wahrscheinlichkeitsaussage liegt bei den von uns untersuchten Systemen in der Regel bei über 99,99%. Die Abstammung ist dann eine „praktisch erwiesen”.

 

Beispiel: Beim untersuchten Kind werden für einen Marker (STR) die Merkmale „14” und „17” gefunden. Die Kindsmutter hat nur das Merkmal „17”. Demnach ist das Merkmal „14” väterlich. Der ebenfalls untersuchte mögliche Vater trägt aber die Merkmale „15” und „19”. Damit ist eine Ausschluss­konstellation gegeben, weil das Kind offensichtlich keines der untersuchten väterlichen Merkmale erhalten hat. Sind noch mindestens zwei weitere Marker (STRs) diskrepant, kann der untersuchte Mann mit Sicherheit als biologischer Vater ausgeschlossen werden.

Welches Material wird benötigt?

Blut oder Mundschleimhautabstrich?

Für private Gutachten kann Blut oder Mundschleimhautabstrichmaterial verwendet werden. Die Aussagesicherheit einer Mundschleimhautuntersuchung ist mit jener der Blutuntersuchung identisch. Werden in die Untersuchung nur der mögliche Vater und das Kind einbezogen (Duo-Untersuchung), so sind die Aussagewahrscheinlichkeiten (Vaterschaftsindex) automatisch geringer als im Trio Putativvater – Mutter – Kind. In seltenen Fällen wird bei der Duo-Konstellation die erforderliche Aussagesicherheit von >99,9 Prozent nicht erreicht.

Die Abnahme des Mundschleimhautabstrichs ist ohne großen Aufwand möglich. Mit einer Art kleinen Zahnbürste wird fünf- bis achtmal die innere Wangenschleimhaut auf- und abgefahren. Dieser Vorgang ist vollkommen schmerzlos und deshalb problemlos auch bei Säuglingen durchführbar.

Welches Gutachten benötigen Sie?

Sollte eine der beteiligten Personen oder Parteien sich für eine Vaterschaftsfeststellung nicht freiwillig zur Verfügung stellen, bleibt der anderen Partei nur der Rechtsweg. Das Gericht/der Richter entscheidet gegebenenfalls, ob ein Gutachten erstellt wird und welches Labor mit dieser Untersuchung beauftragt wird. Die Kosten des gerichtlichen Gutachtens sind z. T. sehr hoch, da neben den Gutachtenkosten auch noch Anwalts- und Prozesskosten anfallen. Dabei können sich die Kosten teilweise auf über € 2500 belaufen obwohl die Aussagesicherheit des gerichtlichen Gutachten nicht höher als bei einem privaten Gutachten liegt.

Bei einer außergerichtlichen Klärung durch ein privates Gutachten müssen alle zu untersuchende Personen bzw. deren Sorgeberechtigte (Vater oder Mutter) mit der Untersuchung einverstanden sein. Diese Form des Gutachtens bzw. des gesamten Verfahrens ist wesentlich kostengünstiger als ein gerichtliches Gutachten mit den damit verbundenen Verfahrenskosten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass bei einem privaten Gutachten die psychische Belastung deutlich geringer ist, als bei einem gerichtlichen Verfahren und die „friedliche” Beilegung der Konflikte dem Wohl der Kinder dient. Falls sich alle Beteiligten darauf einigen, die Vaterschaftsfrage ohne Rechtsbeistand privat abzuklären, empfehlen wir die Erstellung eines privaten Vaterschaftsgutachten. Grundsätzlich sollten bei der Erstellung eines privaten Gutachten die gleichen formellen Anforderungen erfüllt sein wie bei einem gerichtlichen Gutachten („behördenfestes Gutachten”).

Wie sicher ist die Aussage?

Die Vaterschaftsdiagnostik mittels DNA-Analyse bietet eine extrem hohe Aussagesicherheit. Der Ausschluss einer Vaterschaft wird über ein DNA-Gutachten zu 100% erreicht. Ist in allen untersuchten Testsystemen eine Übereinstimmung zwischen kindlichen und väterlichen Merkmalen festzustellen, wird aufgrund statistischer Berechnungen in der Regel ein Vaterschaftsnachweis mit einer Wahrscheinlichkeit von über 99,9% erreicht.

Wie hoch sind die Kosten?

Die Gesamtkosten für eine behördenfeste DNA-Vaterschaftsuntersuchung belaufen sich bei zwei Personen (Putativvater – Kind) auf € 600 (inklusive MwSt) und bei drei Personen (Vater-Kind-Mutter) auf € 900 (inklusive MwSt). Für jede weitere Person werden im Rahmen eines gleichzeitigen Untersuchungsansatzes zusätzlich € 300 berechnet. Die Probenentnahme bei uns sowie sämtliche Versand- und Entnahmematerialien sind in diesem Preis enthalten. Sofern durch Probenentnahme bei einem weiteren Arzt Kosten anfallen, sind diese direkt dort zu begleichen.

Wie lange dauert die Untersuchung?

Nach Eingang aller Proben liegt das Ergebnis der Vaterschaftsuntersuchung in der Regel nach 10-15 Arbeitstagen vor. In sehr seltenen Fällen sind für eine sichere Aussage zusätzliche Untersuchungen notwendig. In einem solchen Fall werden wir Sie selbstverständlich umgehend informieren. Sobald Sie den vereinbarten Betrag auf unser Konto überwiesen haben wird den Beteiligten, die ein Gutachten angefordert haben (Anforderung auf dem Auftragserteilungsformular) dieses zugesandt bzw. kann bei uns abgeholt werden.