Cytogenetik

Spezielle Informationen zu Chromosomenanalyse aus Chorionzotten

Indikationen

  • fetale Auffälligkeiten im Ultraschall
  • auffällige mütterliche Serumbiochemie bzw. auffälliges Ersttrimester-Screening
  • vorangegangene Schwangerschaft mit Chromosomenstörung
  • wenn ein Elternteil Träger einer balancierten Chromosomenstörung ist
  • mütterliche Angst
  • weitere Analysemöglichkeiten: Choriongewebe ist reich an kernhaltigen Zellen und ist daher besonders geeignet für eine eventuell erforderliche Testung (DNA-Analyse) auf eine familiäre Erbkrankheit

Präanalytik: Probenentnahme und Versand

Die Entnahme (Chorionzottenbiopsie = CVS) erfolgt ab ca. der 13. SSW.

Es werden ca. 10-30 mg Chorionzotten benötigt.

Die Chorionzotten sollten nach der Entnahme in ein steriles Transportröhrchen mit Transportmedium überführt werden (Gefäße können gerne bei uns angefordert werden).

Chorionzotten in Petrischale + bei 10x Vergrößerung

Auf vollständige Beschriftung des Röhrchens achten (Name, Vorname, Geburtsdatum)!

Anforderungsschein vollständig ausfüllen, Einverständniserklärung nach GenDG (von Patient + Arzt unterschrieben), ggf. Überweisungsschein beifügen

Auslaufgeschützte und bruchsichere Verpackung beachten.

Die Proben sollten uns möglichst rasch (innerhalb von 1-2 Tagen nach Entnahme) erreichen.

Sollte eine Zwischenlagerung nötig sein, Proben bitte bis zum Versand bei Raumtemperatur lagern.

Eine telefonische Voranmeldung wäre wünschenswert.

Methode und Bearbeitungsdauer

Aus den Chorionzotten werden routinemäßig – nach sorgfältiger Inspektion (und gegebenenfalls Aussortieren von mütterlichen Gewebeanteilen) - eine Kurzzeitkultur und zwei Langzeitkulturen angesetzt.

Bei der Kurzzeitkultur können bereits nach einem Tag Mitosen ausgewertet werden. Nach 1-2 Tagen kann ein vorläufiger Befund erstellt werden. Sollten keine oder nur unvollständige Mitosen vorhanden sein, so kann der Ausschluß/Nachweis einer numerischen Chromosomenstörung mittels FISH erfolgen.

Bei der Langzeitkultur erfolgt eine normale Kultivierung. Aufarbeitung, Färbung, Auswertung und Befunderstellung können nach 9-21 Tagen erfolgen.

Auswertung

CVS-Langzeitkultur:
Erst mit dem abschließenden Ergebnis ist eine Aussage zu Anzahl und Struktur der Chromosomen möglich.

Kurzzeitkultur: numerische (manchmal auch grobstrukturelle) Auswertung von möglichst 10 oder mehr Mitosen

Langzeitkultur: numerische Auswertung von mindesten 15 Mitosen (meist aus 2 Parallelkulturen), davon werden 5-7 Karyogramme erstellt und strukturell analysiert.

Sicherheit, Grenzen, Risiken

Das Ergebnis der Chromosomenanalyse aus Chorionzotten bietet große Sicherheit. Dennoch ist zu beachten, dass Choriongewebe und nicht direkt Gewebe des werdenden Kindes analysiert wird. Falschbefunde sind extrem selten, aber nicht völlig auszuschließen.

Falsch-negative Befunde:
Sehr kleine, lichtmikroskopisch nicht erkennbare strukturelle Chromosomenveränderungen (z.B. Mikrodeletionen oder –duplikationen) können in der Routinediagnostik in der Regel nicht erkannt werden. Auch Mosaike (gleichzeitiges Vorhandensein von Zellen mit normalem Karyotyp und Zellen z.B. mit einer Trisomie) können unter Umständen nicht erfasst werden, da sie im extra-embryonalen Gewebe nicht vorhanden sind oder die Anzahl der auffälligen Zellen zu gering ist. Zeigen sich im weiteren Verlauf der Schwangerschaft beim Feten Auffälligkeiten, die auf das Vorliegen einer Chromosomenstörung hindeuten, sollte trotz normalen Ergebnisses aus der Chorionzottenbiopsie eine Überprüfung an einem anderen Gewebe (z.B. Amnionzellen) in Erwägung gezogen werden.

Wachsen irrtümlich mütterliche statt fetaler Zellen, so kann dies das Ergebnis einer Chorionzotten-Langzeitkultur verfälschen (durch sorgfältige Inspektion des eingehenden Gewebes kann dies allenfalls in Ausnahmefällen passieren). In der Kurzzeitkultur hingegen finden sich ausschließlich Mitosen des Choriongewebes, niemals mitotisch aktive mütterliche Zellen.

Falsch-positive Befunde:
In etwa 2% aller Chorionzottenuntersuchungen werden neben normalen Zellen auch Mitosen mit einem auffälligen Chromosomensatz gefunden. Der Großteil dieser Mosaike (1,9%) ist auf die Placenta beschränkt (sogenanntes CPM, confined placental mosaic) und ist nicht repräsentativ für das werdende Kind. In einigen Fällen könnte es sich jedoch um ein echtes – auch in den kindlichen Zellen vorhandenes Mosaik handeln. Daher wird in einigen dieser Fälle zur weiteren Abklärung eine Amniocentese oder sogar Nabelschnurblutpunktion empfohlen.

Mosaiktrisomien für bestimmte Chromosomen (z.B. 6, 7, 11, 14, 15, 16) könnten auf das Vorliegen einer durch 'trisomic rescue' entstandenen Uniparentalen Disomie (UPD) deuten, welche zu einer durch Imprinting verursachten Erkrankung führen würde. In diesen Fällen bieten wir zur weiteren Abklärung eine entsprechende molekulargenetische Analyse aus Amnionzellen an.

Nach Ausschluss einer Chromosomenstörung verbleibt – je nach individueller Situation – mindestens das Basisrisiko (ca. 5-7%) für andere angeborene Störungen, die durch diese Analyse nicht erfasst wurden (z.B. monogene oder multifaktoriell bedingte Erkrankungen).

Befund

Das Ergebnis der Analyse wird dem aufklärenden Arzt so rasch wie möglich schriftlich mitgeteilt. Auf Wunsch kann eine Benachrichtigung auch per Fax bzw. telefonisch erfolgen. Eine Benachrichtigung der Patientin oder weiterer mitbehandelnder Ärzte durch uns ist nach dem Gendiagnostikgesetz leider nicht gestattet.

Kosten

Bei entsprechender medizinischer Indikation handelt es sich um eine Kassenleistung.

Telefonische Rückfragen, genetische Beratung

Wir stehen jederzeit gerne für telefonische Rückfragen zur Verfügung (Mo-Do 8-18 Uhr, Fr 8-16 Uhr). Für eine genetische Beratung bitten wir um telefonische Voranmeldung unter 07071-29-76408.