Cytogenetik

Spezielle Informationen zu Chromosomenanalyse aus Lymphocyten

Indikationen

  • Neugeborene mit Fehlbildungen und/oder Dysmorphien bzw. nicht eindeutigem Genitale, Kinder mit unklarer Entwicklungsverzögerung und/oder Verhaltensauffälligkeiten
    Bei etwa 0,5% aller Neugeborenen findet man multiple angeborene Fehlbildungen, die auf einer Chromosomenanomalie beruhen. Die meisten dieser Neugeborenen haben gesunde Eltern und die Chromosomenstörung ist bei dem Kind spontan, schicksalhaft neu entstanden. Allerdings hat ein Teil der betroffenen Neugeborenen ein Elternteil, welches eine sogenannte balancierte Chromosomenstörung trägt. Dieses Elternteil ist selbst gesund, hat aber ein erhöhtes Risiko, die Chromosomen unbalanciert an ein werdendes Kind weiterzugeben. Dies bedingt ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten oder die Geburt eines Kindes mit Auffälligkeiten.
  • Konkreter Verdacht auf ein Mikrodeletionssyndrom
    Besteht klinisch der Verdacht auf ein Mikrodeletionssyndrom (z.B. DiGeorge-Syndrom, Williams-Beuren-Syndrom o.ä.) wird eine ergänzende Fluoreszenz-in situ-Hybridisierung durchgeführt, um die lichtmikroskopisch in der Regel nicht erkennbare Deletion nachzuweisen.
  • Eltern eines ungeborenen/geborenen Kindes mit einer strukturellen Chromosomenstörung
    Als Träger einer balancierten Chromosomenstörung ist man in der Regel gesund, hat aber ein erhöhtes Risiko, die Chromosomen unbalanciert an ein werdendes Kind weiterzugeben. Dies bedingt ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten oder die Geburt eines Kindes mit Auffälligkeiten.
  • Verwandte von Personen mit einer strukturellen Chromosomenstörung
    Als Träger einer balancierten Chromosomenstörung ist man in der Regel gesund, hat aber ein erhöhtes Risiko, die Chromosomen unbalanciert an ein werdendes Kind weiterzugeben. Dies bedingt ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten oder die Geburt eines Kindes mit Auffälligkeiten.
  • Paare, bei denen 2 oder mehr Spontanaborte bzw. Totgeburten aufgetreten sind
    Jede 5. erkannte Schwangerschaft endet in einer spontanen Fehlgeburt. Die Ursachen sind vielfältig. Eine wesentliche Ursache sind Chromosomenstörungen: 50% aller untersuchten Fehlgeburten weisen eine Chromosomenstörung auf! Bei totgeborenen Kindern ist in 5% eine Chromosomenstörung nachweisbar. Ein großer Teil dieser Chromosomenstörungen sind numerische Aberrationen, die zufällig/spontan in einer der zur befruchtenden Keimzellen aufgetreten ist. Eine Ursache kann allerdings auch das Vorliegen einer balancierten Chromosomenstörung bei einem Elternteil sein. Das Risiko hierfür liegt (ab der 3. Fehlgeburt) bei 5-7%.
  • Paare mit unerfülltem Kinderwunsch (Sterilität)
    10-20% aller Paare haben unerfüllten Kinderwunsch. Eine Ursache kann u.a. das Vorliegen einer balancierten Chromosomenstörung bei einem der Partner sein. Das Risiko hierfür liegt für Frauen bei etwa 2-6%, bei Männern bei 6-12%. Da eine Chromosomenaberration die Chancen und Risiken für eine künstliche Befruchtung deutlich beeinflussen kann, wird vor einer IVF oder ICSI eine elterliche Chromosomenanalyse empfohlen.
  • Frauen mit primärer/sekundärer Amenorrhoe bzw. vorzeitig einsetzender Menopause
    Frauen mit primärer oder sekundärer Amenorrhoe könnten ein sogenanntes Ullrich-Turner-Syndrom oder eine Variante aufweisen. Bei diesen Frauen fehlt z.B. in allen oder einem Teil der Zellen ein Geschlechtschromosom (Karyotyp 45,X). Ursache einer vorzeitig einsetzenden Menopause kann z.B. ein TripleX-Syndrom sein (Karyotyp 47,XXX).
  • Männer mit Azoospermie oder Oligozoospermie
    Bei Männern mit eingeschränkten Spermiogrammparametern könnte ein sogenanntes Klinefelter-Syndrom oder eine Variante bestehen. Bei diesen Männern liegt z.B. in allen oder einem Teil der Zellen ein zusätzliches X-Chromosom vor (Karyotyp 47,XXY). Bei einem anderen Teil der Männer mit auffälligem Spermiogramm kann eine balancierte Chromosomenstörung nachgewiesen werden. Ist man Träger einer solchen balancierten Aberration, ist man selbst meist gesund, hat aber ein erhöhtes Risiko, die Chromosomen unbalanciert an ein werdendes Kind weiterzugeben. Dies bedingt ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten oder die Geburt eines Kindes mit Auffälligkeiten und erklärt manchmal auch die vorliegende Sterilität. Bei einem Teil der Männer mit Azoo- oder Kryptozoospermie liegt ursächlich eine Verklebung der Samenleiter (sog. CBAVD) vor. Zur weiteren Abklärung wäre eine molekulargenetische Analyse des CFTR-Gens erforderlich.

Präanalytik: Probenentnahme und Versand

2-5 ml venöses Blut sofort in steriles Heparinröhrchen geben und durch mehrfaches Schwenken gut mischen.

Auf vollständige Beschriftung des Röhrchens achten (Name, Vorname, Geburtsdatum)!

Anforderungsschein vollständig ausfüllen, Einverständniserklärung nach GenDG (von Patient + Arzt unterschrieben), ggf. Überweisungsschein beifügen.

Auslaufgeschützte und bruchsichere Verpackung beachten.

Die Proben sollten uns möglichst rasch (innerhalb von 1-2 Tagen nach Entnahme) erreichen.

Sollte eine Zwischenlagerung nötig sein, Proben bitte bis zum Versand bei + 4°C lagern.

Abb. Blutansatz

Abb. Blick in Brutschrank

Methode und Bearbeitungsdauerk

Das Heparinblut wird in ein Nährmedium gegeben. Die Lymphocyten werden zur Zellteilung angeregt und können nach 72 Stunden (Blut von Neugeborenen nach 48 Stunden) präpariert werden.

Auswertung

In der Regel werden mindestens 15 Mitosen numerisch ausgewertet, davon 5 Karyogramme erstellt und strukturell analysiert. Je nach Fragestellung kann aber die Anzahl der ausgewerteten Mitosen deutlich höher sein oder es können verschiedene Färbetechniken erforderlich sein.

Die Auswertung erfolgt am Mikroskop (linkes Bild). Es werden 15 Mitosen gezählt und die schönsten Mitosen mittels Digitalcamera aufgenommen. An einer Auswertestation (rechtes Bild) werden die Chromosomen der Größe und Struktur nach sortiert und zu einem Karyogramm angeordnet.

Sicherheit, Grenzen, Risiken

Eine Chromosomenanalyse aus Blut ergibt meist eine sehr gute Bandenqualität, weshalb die Sicherheit des Ergebnisses meist sehr hoch ist. Dennoch ergeben sich Einschränkungen: sehr kleine, lichtmikroskopisch nicht erkennbare strukturelle Chromosomenveränderungen (z.B. Mikrodeletionen oder –duplikationen) können in der Routinediagnostik in der Regel nicht erkannt werden. Auch Mosaike (gleichzeitiges Vorhandensein von Zellen mit normalem Karyotyp und Zellen z.B. mit einer Trisomie) können unter Umständen nicht erfasst werden.

Befund

Das Ergebnis der Analyse wird dem aufklärenden Arzt so rasch wie möglich schriftlich mitgeteilt. Auf Wunsch kann eine Benachrichtigung auch per Fax bzw. telefonisch erfolgen. Eine Benachrichtigung der/des Patientin/en oder weiterer mitbehandelnder Ärzte durch uns ist nach dem Gendiagnostikgesetz leider nicht gestattet.

Kosten

Bei entsprechender medizinischer Indikation handelt es sich um eine Kassenleistung.

Telefonische Rückfragen, genetische Beratung

Wir stehen jederzeit gerne für telefonische Rückfragen zur Verfügung (Mo-Do 8-18 Uhr, Fr 8-16 Uhr). Für eine genetische Beratung bitten wir um telefonische Voranmeldung unter 07071-29-76408.