Das obere Bild zeigt die Chromosomen 6 und 8 eines Trägers einer balancierten Translokation. Jeweils links das normale Chromosom, rechts die Translokationschromosomen. Das Ergebnis der FISH-Analyse ist darunter abgebildet. Es wurden Sub­telomer­sonden für Chromosom 6 (Sub­telomer­bereich kurzer p-Arm grün, Subtelomerbereich langer q-Arm rot) und eine zentromerspezifische Sonde für Chromosom 8 (grün) eingesetzt. An einem Chromosom 6 fehlt das grüne Signal für 6p, dafür findet sich das Signal an einem Chromosom 8.

Molekulare Cytogenetik

Subtelomer-FISH

Die Subtelomerregion eines Chromosoms liegt am distalen, d.h. äußeren Ende eines Chromosoms, ca. 100-300 kb vom Telomer (dem eigentlichen Ende des Chromosoms) entfernt. Subtelomere sind im Vergleich zu anderen chromosomalen Regionen reich an Genen. Bereits kleine Imbalancen (Deletionen oder Duplikationen) können einen klinisch auffälligen Phänotyp bewirken. Diese chromosomalen Imbalancen sind häufig lichtmikroskopisch kaum bzw. gar nicht erkennbar und werden in einer konventionellen Chromosomenanalyse dementsprechend nicht erfasst. Zur weiteren Abklärung ist die Subtelomer-FISH hilfreich.

Für die Subtelomerbereiche aller Chromosomen (mit Ausnahme der klinisch nicht bedeutsamen kurzen Arme der akrocentrischen Chromosomen) gibt es Sonden, die

  • entweder alle kombiniert (42 Sonden) als sogenanntes Subtelomer-Screening Anwendung finden (siehe unten)
  • oder einzeln eingesetzt werden: wurde z.B. bei einem Kind mit auffälligem Phänotyp eine chromosomale Auffälligkeit im Bereich der Subtelomere diagnostiziert, kann mithilfe der Subtelomer-FISH gezielt überprüft werden, ob einer der Elternteile vielleicht gesunder balancierter Träger dieser Chromosomenstörung ist. Eine weitere Anwendung erfolgt zur Bestätigung von auffälligen Array- oder MLPA-Befunden.
Subtelomer-Screening

Bei etwa 7% der Patienten mit ungeklärter Entwicklungsstörung und weiteren phänotypischen Merkmalen liegt ursächlich ein unbalanciertes Rearrangement der Subtelomerregionen der Chromosomen vor (Knight et al. Lancet 1999; 354: 1676-1681). Diese können mit herkömmlichen cytogenetischen Methoden meist nicht erfasst werden. Patienten, bei denen der Verdacht auf ein derartiges Rearrangement bestand, wurden früher mit dem sogenannten Subtelomer-Screening untersucht. Dieses wurde zwischenzeitlich durch ein anderes Verfahren (MLPA) abgelöst.