Arbeitsgruppe Mentale Retardierung

Projekte

Autosomal rezessive mentale Retardierung

Bei Patienten mit geistiger Behinderung und blutsverwandten (konsanguinen) Eltern liegt häufig eine autosomal rezessive Vererbung vor, insbesondere wenn auch Geschwister betroffen sind. Bei diesen Patienten führen wir eine Sequenzierung aller kodierenden Bereiche mittels NGS in Zusammenarbeit mit der AG Molekulare Genetik durch. Bei der Auswertung der Daten konzentrieren wir uns dabei auf Homozygotie-Bereiche im Genom und priorisieren mögliche Kandidaten anhand des vorhergesagten Einflusses der Variante auf die Proteinfunktion und bereits beschriebenen Funktionen im Organismus. Bisher noch nicht beschriebene Kandidatengene werden weiter auf ihre Funktion hin charakterisiert und die identifizierten Mutationen als krankheitsursächlich bestätigt.

Da in Deutschland konsanguine Familien mit mehreren Betroffenen mit geistiger Behinderung selten sind, rekrutieren wir viele Familien in Jordanien in einem von der DAAD geförderten Kooperationsprojekt mit der Philadelphia University in Amman.


Unklare mentale Retardierung / Demenz mit Bewegungsstörungen

Oftmals leiden Patienten nicht allein an mentaler Retardierung sondern weisen zusätzlich weitere Einschränkungen wie Ataxien oder Paraplegien auf. Um diesen Patienten eine genetische Diagnose zu ermöglichen, führen wir im Rahmen des ZSE (Zentrum für Seltene Erkrankungen) zusammen mit der Neurologie und der Neuropädiatrie des Uniklinikums Tübingen sowie der AG Molekulare Genetik eine Genpanel Sequenzierung durch. Dieses Projekt wird durch die MMB-Stiftung gefördert.


Sporadische mentale Retardierung

Spontane Neumutationen in verschiedenen Genen sind häufige Ursachen der mentalen Retardierung. Um diese Ursachen aufzuklären führen wir Exomanalysen von Eltern-Kind-Trios bei ausgewählten Patienten in Kooperation mit der AG Molekulare Genetik durch.


Chromosomale Aberrationen

Bei bis zu 10 % aller Patienten mit geistiger Behinderung liegt eine Chromosomenveränderung vor. Hochauflösende Array-Analysen erlauben den Nachweis auch sehr kleiner Aberrationen. Wir führen diese Untersuchungen systematisch bei Patienten mit mentaler Retardierung in Zusammenarbeit mit MFT Services durch. Bei Patienten mit krankheitsassoziierten balancierten chromosomalen Rearrangements (z.B. Translokationen oder Inversionen) führen wir molekulargenetische Bruchpunktanalysen durch.