Aktuell - Juni 2016

50 Jahre Institut für Medizinische Genetik

Tübingen, Juni 2016

Innovatives Schlüsselfach der Patientenversorgung hat in Tübingen eine lange Tradition
Im Sommer 1966 erging der Erlass des Kultusministeriums Baden-Württemberg zur Einrichtung einer Abteilung für klinische Genetik am Institut für Anthropologie und Humangenetik an der Medizinischen Fakultät Tübingen. Aus dieser Abteilung entwickelte sich in drei akademischen Generationen (Walter Haberlandt, Peter Kaiser und Olaf Rieß) im Laufe von 50 Jahren das heutige Institut für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik am Universitätsklinikum Tübingen. Das Institut, das inzwischen fast 100 Mitarbeiter hat, feierte sein 50-jähriges Jubiläum mit einem Symposium.

Es war ein wegweisender Schritt, als 1966 eine Abteilung für Klinische Genetik am Tübinger Institut für Anthropologie und Humangenetik ins Leben gerufen wurde. „Als erste Klinische Genetik in Deutschland überhaupt markierte sie einen Wandel der Genetik von einer reinen Grundlagenforschung hin zu einem klinischen Versorgungsanspruch für Patienten“, sagt der vorhergehende aber noch aktiv involvierte Leiter der Abteilung, Prof. Peter Kaiser.

Seine Vorreiterrolle hat das mittlerweile eigenständige Institut für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik des Tübinger Universitätsklinikums auch nach 50 Jahren aufrechterhalten. Im Jahr 2010 wurde unter seiner maßgeblichen Beteiligung das bundesweit erste Zentrum für Seltene Erkrankungen (ZSE) in Tübingen gegründet. Seine Struktur, zu der auch Patientenlotsen als Anlaufstelle gehören, wurde zwischenzeitlich vielerorts zum Vorbild für ähnliche Einrichtungen genommen.

50 Jahre Medizinische Genetik

Gruppenbild der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
des Instituts für Medizinische Genetik und
Angewandte Genomik Tübingen

Auch am Zentrum für Personalisierte Medizin (ZPM), das im vergangenen Jahr im Rahmen der Exzellenzinitiative der Universität Tübingen ins Leben gerufen wurde, hat das Institut von Prof. Rieß eine zentrale Bedeutung.

„Die Genetik ist eine wichtige Säule auf dem Weg zu neuen, individuell auf den Patienten zugeschnittenen Therapiemöglichkeiten, zum Beispiel in der Onkologie, Neurologie und Kardiologie“, erläutert Prof. Rieß.

Aufgaben in der Patientenversorgung

Die bestmögliche Patientenversorgung ist der Anspruch, dem die vielfältigen Aktivitäten des Instituts für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik gewidmet sind. „Jeder Patient hat einen Beratungsanspruch in allen Fragen, die ihn beunruhigen und die einen Bezug zur Genetik haben könnten“, formuliert Prof. Rieß das gemeinsame Credo, „und wir managen die Verbindung der verschiedenen Fachbereiche für den Patienten.“ Diese sind höchst vielfältig: Von Fragen zum unerfüllten Kinderwunsch über das Risiko von Fehlbildungen während der Schwangerschaft, Entwicklungsverzögerungen und Erkrankungen im Kindesalter, bis hin zu Krebserkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen bei Erwachsenen oder genetisch bedingten Herzerkrankungen werden zunehmend genetische Ursachen oder neue, auf genetischen Kenntnissen beruhende Therapien erkannt und entwickelt. Patienten können sich mit dem Wunsch nach einer genetischen Beratung auch direkt an das Institut wenden und unter der Telefonnummer 07071 29-76408 werktags zwischen 8.00 und 16.00 (Freitags bis 14.00 Uhr) einen Termin vereinbaren. Im vergangenen Jahr führte das Institut über 1560 genetische Beratungen durch.

Schwerpunkte in der Forschung

Die Forschungsaktivitäten des Instituts liegen in der Untersuchung neurodegenerativer Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Morbus Huntington, Spinozerebellärer Ataxien und Dystonien. Darüber hinaus forschen Arbeitsgruppen auf dem Gebiet der Entwicklungsverzögerung und Fehlbildungen im Kindesalter, der Tumorgenetik und des Einflusses der Umwelt auf das menschliche Genom. Mit diesen Schwerpunkten ist das Institut in zahlreiche internationale und nationale Forschungsnetzwerke eingebunden, die oftmals durch das Institut selbst koordiniert werden.

Dienstleistungen und breite Wissensvermittlung

Bei molekulargenetischen Untersuchungen ist das Institut Dienstleister für das gesamte Tübinger Universitätsklinikum, aber auch zahlreiche nationale wie internationale Einrichtungen nutzen die diagnostische Expertise. Mit modernsten Sequenziertechniken werden genetische Daten des Patienten entschlüsselt und für Diagnostik und Therapie verfügbar gemacht.

Um solche zukunftsweisenden Ansätze in der klinischen Praxis auch umsetzen zu können, ist die Aus- und Weiterbildung ein weiteres wichtiges Aufgabengebiet des Instituts. „Wir setzen auf eine breite Wissensvermittlung. Deshalb engagieren wir uns nicht nur in der Lehre für Medizinstudenten und im Studiengang Molekulare Medizin, sondern auch bei angehenden Biologen oder Studierenden der Medizintechnik. Außerdem beteiligen wir uns an den Ausbildungen in der Krankenpflege oder in der Hebammenschule“, berichtet Prof. Rieß. Auch die bundesweit einzige Fortbildungsakademie für Seltene Erkrankungen (FAKSE) ist am Tübinger Institut für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik angesiedelt.

Festsymposium am 3. Juni 2016

Seinen 50. Geburtstag beging das Institut am 3. Juni 2016 mit einem Festsymposium. Festredner war Prof. Günter Stock, Präsident der All European Academies und Vorstandsvorsitzender der Einstein-Stiftung Berlin.

Poster der Arbeitsgruppen

AG Bioinformatik

AG Cytogenetik

AG Epigenetik

AG Genetische Beratung

AG Huntington

AG Mentale Retardierung

AG Neurometabolik

AG Entwicklungsstörungen

AG Onkogenetik

AG Parkinson

AG SCA3

AG Wissenschaftsmanagement

AG Zentrum für Seltene Erkrankungen

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