Spezialsprechstunden

Familiärer Darmkrebs

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in Westeuropa, ca. 6 % der deutschen Bevölkerung erkrankt im Laufe des Lebens. Häufig tritt Darmkrebs sporadisch im höheren Lebensalter (> 60 Jahre) auf, und es gibt nur Einzelfälle in einer Familie. In etwa 25% der Darmkrebsfälle gibt es allerdings eine positive Familienanamnese, d.h. mehr als ein Familienmitglied ist an Darmkrebs erkrankt. Nach dem heutigen Kenntnisstand sind mindestens 5% aller Darmkrebserkrankungen erblich bedingt.

Die beiden häufigsten erblichen Darmkrebserkrankungen sind die Familiäre Adenomatöse Polyposis Coli (FAP) und die HNPCC (hereditäre nichtpolypöse Coloncarcinom-Erkrankung) oder auch Lynch-Syndrom genannt. Die HNPCC geht mit einem hohen Risiko für Darm- und Endometriumkarzinome (Gebärmutterschleimhautkrebs) einher. Weiterhin können bestimmte andere Krebserkrankungen, z.B. Krebserkrankungen der Magens, der Eierstöcke oder der ableitenden Harnwege auftreten. Charakteristisch für die FAP ist das frühe Auftreten hunderter bis tausender adenomatöser Polypen im gesamten Kolon. In der Regel beginnt die Polyposis in der zweiten Lebensdekade. Der einzelne Polyp zeigt eine niedrige Entartungsfrequenz, jedoch aufgrund der Vielzahl der Polypen entstehen in nahezu allen Fällen Dickdarmkarzinome.

Für erblichen Darmkrebs sind verschiedenste Gene verantwortlich. Machen die Familiengeschichte sowie die pathologischen Befunde eine erbliche Belastung wahrscheinlich können wir gezielt Gene - in der Regel bei einem Betroffenen - anhand einer Blutprobe untersuchen. Bei Nachweis einer genetischen Veränderung können sich weitere Familienangehörige prädiktiv (vorhersagend) testen lassen, um ihr individuelles Erkrankungsrisiko besser einschätzen zu können.

Wann sollte an eine erbliche Form von Darmkrebs gedacht werden?

Wir denken dann an eine erbliche Form von Darmkrebs, wenn Betroffene jung erkranken (< 50 Jahre), wenn mehrere Familienmitglieder erkrankt sind und in einer Familie eine Häufung bestimmter Krebsformen vorliegt. Dann sollte eine ausführliche genetische Beratung erfolgen. Im Rahmen der genetischen Beratung wird ein detaillierter Familienstammbaum erstellt sowie die Kriterien für die Diagnose der einzelnen Formen von familiärem Darmkrebs besprochen. Wichtige Voraussetzung für die genetische Beratung sind Informationen über Krebserkrankungen in der Familie, insbesondere die pathologischen Untersuchungsergebnisse. Dies erlaubt eine bessere Einschätzung des individuellen Erkrankungsrisikos sowie der daraus resultierenden Empfehlungen für Früherkennungsmaßnahmen und ermöglicht, sinnvolle weiterführende Untersuchungen in die Wege zu leiten. Hierbei arbeiten wir eng mit dem Tumorzentrum CCC Tübingen und den Spezialisten aus anderen medizinischen Fachbereichen zusammen.